Internationale Faszination für die Krippe beim Weltkrippenkongress 2012 in Innsbruck

Insgesamt über 15 Nationen trafen sich beim 19. Weltkrippenkongress in Innsbruck unter dem Motto „Faszination Krippe“. Die rund 800 TeilnehmerInnen konnten in den vier Kongresstagen einen umfangreichen Eindruck über das Krippenwesen in Österreich und insb. Tirol erlangen. Bei Ausflügen nach Wenns, Wildermieming, Stift Stams, Wörgl, Kirchbichl, Thaur und Fulpmes sahen die Besucher aus Nah und Fern nicht nur die schönsten Krippen Tirols, sondern nahmen auch unvergessliche Eindrücke von Landschaft und Dörfern mit nach Hause.

 

Beim großen Kongressabend des Weltkrippenverbandes (Universalis Foederatio Praesepistica) konnte Präsident Johann Dendorfer das zwanzigste Mitglied des Verbandes verkünden. Die Krippenfreunde aus Österreichs Nachbarland Slowenien wurden im Verband neu aufgenommen. Bei den fünf Ehrungen für internationale Verdienste um die Krippe wurde die Kärntnerin Hannelore Resinger geehrt. Als Rahmenprogramm konnten sich die Besucherinnen über ein Konzert der Wiltener Sängerknaben und echter Tiroler Volksmusik, moderiert von Peter Kostner, erfreuen.


Bei der Abschlussmesse war der Innsbrucker Dom bis auf den letzten Platz gefüllt. Altbischof Stecher fand für alle Kongressteilnehmer in Deutsch, Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch die richtigen Worte. Nach einem gemeinsamen Gruppenbild reisten die Teilnehmer wieder nach Hause.


Dass das Krippele schauen nicht nur für Besucher aus aller Welt eine Faszination darstellt – die weitest gereisten Teilnehmer waren aus Brasilien, Texas, New Mexico und Malta – zeigte der große Erfolg der Ausstellungen in Innsbruck: „Bei den Ausstellungen im Gotischen Keller, in der Krippenbauschule in der Jahnstraße und im Tiroler Volkskunstmuseum konnten in den Tagen des Kongresses über dreitausend Besucher gezählt werden“, freut sich die Präsidentin des Verbandes der Krippenfreunde Österreichs, LR Dr. Beate Palfrader.


Der Weltkrippenkongress findet alle vier Jahre statt. Der nächste wird 2016 in Bergamo sein.

 

„Es ist eine große Herausforderung für jeden Verband, einen so großen Kongress auszurichten. Ohne die vielen freiwilligen ehrenamtlichen Helfer wäre ein solcher Kongress nie möglich. Wir möchten uns bei allen Helfern, insbesondere bei Franz Wostalek und seinem Team sowie den vielen Tiroler Vereinen, die uns tatkräftig unterstützt haben, herzlich bedanken“, so Präsidentin Palfrader.

Umfangreiches Bildmaterial und Beschreibungen zu den Krippenausstellungen beim Weltkrippenkongress hat der Landesverband Oberösterreich zusammen gestellt und ist hier abrufbar:


Landesverband Oberösterreich


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Das Heilige Grab von Johann Baptist Wenzel Bergl

 Einige ältere Garstner können sich noch erinnern, dass bis in die 1950er-Jahre das große Heilige Grab von Johann Wenzel Bergl in der Losensteinerkapelle der Stiftskirche Garsten aufgestellt wurde. Die Aufstellung dauerte drei Tage, Walter Aigner und Sepp Hofer waren damals dabei. Und Elfi Mayer weiß noch, dass sie sich vor dem Leichnam Jesu gefürchtet hat. Dann geriet das Heilige Grab in Vergessenheit, die Liturgiereform nach dem 2. Vatikanischen Konzil verzichtete auf die aufwändigen „Heiligen Gräber“ in den Kirchen und die pompöse „Auferstehung“ am Karsamstag. Die Kulissen des Bergl-Grabs wanderten in Archiv- und Abstellkammern des Pfarrhofs in Garsten und gerieten in Vergessenheit.

 

 Elfi Mayer, Walter Aigner und Erwin Wimmer blieben die Mentoren, und als sich das Kunstreferat der Diözese Linz und das Bundesdenkmalamt für das Bergl-Grab zu interessieren begannen, wurde der Weg frei für die Restaurierung. Frau Univ.-Prof. Dr. Monika Dachs-Nickl, Wien, machte ihre Hörer auf die Bedeutung des einmaligen Kunstwerks besonders aufmerksam. Die Goldhaubengruppe Garsten hat die Pfarre in ihrem Anliegen, das Heilige Grab zu restaurieren, mit einem großzügigen finanziellen Beitrag unterstützt.

 

Anlässlich der Osterausstellung der Goldhaubengruppe Garsten zum Thema „Österliches Brauchtum und Passionskrippen“ (2015) konnte das Bergl-Grab mit den teilweise restaurierten Kulissen zur Probe aufgestellt werden. Die Besucher waren tief beeindruckt.

 

Das Heilige Grab von Johann Wenzel Bergl ist eine Kulissenbühne mit vier hintereinander stehenden 7 m hohen gemalten Kulissen, die sich in ihrer „Scheinarchitektur“ in den Altarbereich der barocken Losensteinerkapelle einfügen. Jeweils vier gemalte Säulen schaffen Platz für allegorische Frauenfiguren, die Gesimse schließen sich zu triumphbogenartigen Gurtbögen zusammen und geben den Blick frei in eine gewaltig wirkende Scheinkuppel. Die vordere Kulissenreihe wird überwölbt mit der Darstellung des von Putten gehaltenen Kreuzes in einer Wolkengloriole. Engel tragen die Leidenswerkzeuge, die „Arma Christi“. In der hintersten Kulissenreihe, die den im Grab liegenden Jesus umschließt, nützt der Künstler Bergl raffiniert den natürlichen Lichteinfall des seitlichen Fensters und nimmt mühelos die Architektur des Baumeisters Carlo Antonio Carlone auf, so wie er auch die Stuckornamentik des Giovanni Battista Carlone in elegant gemalten Girlanden fortsetzt.

 

Bemerkenswert sind die einzelnen Bildnisse auf den Kulissen. Dargestellt sind die „Tugenden“ (Glaube, Hoffnung, Liebe, Demut), aber auch Symbole wie die Gestalt der „Fortuna“, die in ihrem Füllhorn Buch, Kelch, Hostie und Rosenkranz trägt, oder die Gestalt der „Sapientia“, deren Fuß auf die Szene des Sündenfalls tritt.

 

Besonders eindrucksvoll sind die beiden Frauengestalten neben dem Grab Jesu: Die linke trägt das Buch mit den sieben Siegeln, das Kleid der rechten ist übersät mit vielen Augen, überhöht mit einem Diadem mit dem Auge Gottes im Dreieck. Dem apokalyptischen Gericht Gottes steht das „Auge Gottes“ gegenüber, allgegenwärtig, wachsam, aber nicht strafend. Das verkündet der milde Gesichtsausdruck der Frau – es hätte auch der strafende Blick des Erzengels Michael sein können. Der Mensch ist eingespannt zwischen der Bewertung seines Lebens und der Allgegenwart und Gnade Gottes. Das Weibliche wird zum Träger der Erlösungshoffnung. Das erscheint mir besonders erwähnenswert.

 

Noch etwas fällt auf. Hinter dem gemalten Grab werden (noch unrestauriert) die Gestalten römischer Soldaten sichtbar. Der eine schläft, der andere richtet fragend den Blick auf seinen Kameraden: „Weiß du, wo der Leichnam ist?!“ Hier wird das „Heilige Grab“ menschlich erlebbar, nicht so sehr als theologische Botschaft, sondern in persönlicher Betroffenheit.

 

Das Heilige Grab von Johann Wenzel Bergl ist in seiner Darstellung einmalig. Das „Theatrum sacrum“ überhöht die Liturgie in einer theatralischen Inszenierung. Tod und Auferstehung werden im Bild erlebbar.

 

Noch ein paar Worte zum Künstler Johann Baptist Wenzel Bergl. Er wurde 1718 in Böhmen geboren und starb 1789 in Wien. Er war Schüler von Paul Troger. 1770 bekam er von der Kaiserin Maria Theresia den Auftrag, ihre Privatgemächer im Schloss Schönbrunn „auszumalen“. Jetzt konnte er seine Fähigkeiten entfalten. Er integriert idyllische paradiesische Landschaften voller exotischer Pflanzen und romantischer Szenerien in die Raumarchitektur und zeigt sich als Meister einer barocken Illusionsmalerei. (Meine Frau und ich waren begeistert, als wir 2004 in den „Berglzimmern“ des Schlosses Schönbrunn eine große Weihnachtskrippen-Ausstellung gestalten durften).

 

Diesen Johann Wenzel Bergl beauftragte 1777 der Garstner Abt Maurus Gordon, das „Heilige Grab“ zu gestalten. Im selben Jahr schuf Martin Johann Schmidt, der „Kremser Schmidt“, die Advent- und Fastenbehänge für die Stiftskirche. Der Abt des Stiftes Garsten war wohl eine einflussreiche Persönlichkeit.

 

Mit dem „Heiligen Grab“ in Garsten schuf Bergl ein Meisterwerk barocker Illusionsarchitektur. Es steht in einer Reihe mit den Heiligen Gräbern in Tirol (Schönberg bei Innsbruck, Telfs, Patsch, Mutters), aber auch mit dem barocken Kulissentheater in Dürnstein.

 

Hinweisen möchte ich noch darauf, dass im Raum Garsten auch private Haus-Heiliggräber üblich waren. Einige alte Gräber sind erhalten geblieben, einige konnten wir restaurieren oder neu bauen. Passions-, Fasten- und Osterkrippen werden auch in der Garstner Krippenschule neu gebaut.

 

Es ist geplant, dass im nächsten Jahr das Bergl-Grab, wenn es fertig restauriert ist, während der Fasten- und Osterzeit in der Stiftskirche Garsten aufgestellt wird.

 

Kons. Dr. Karl Mayer, Garsten