Hochfest des Heiligen Josef von Nazareth


Liebe Krippenfreundinnen!

Liebe Krippenfreunde!

 


Auf unseren Weihnachtskrippen darf der hl. Josef nicht fehlen. Denn er ist einer der „Hauptakteure“ der Menschwerdung Gottes, die unsere Krippen sehr anschaulich darzustellen versuchen. Als Pflegevater von Jesus gehört er mit dem Jesuskind und seiner Mutter zur sog. „Heiligen Familie“. 

 

Doch wer ist denn eigentlich dieser Josef, dem Papst Franziskus 2021 ein eigenes „Gedenkjahr“ gewidmet hat? 

 

Der hl. Josef gehört zu den großen, nein: zu den größten Heiligengestalten der Kirche! Und das, obwohl er kein Prophet, kein Apostel, kein Märtyrer und auch kein Ordensgründer gewesen ist. Wer war er dann? 

Der hl. Josef ist der Nährvater Jesu und der Bräutigam der Gottesmutter! Niemand - außer Maria - stand Jesus so nahe wie er! Er ist zudem der Schutzpatron der Kirche, der Patron der Ehen und Familien, aber auch der Arbeiter und der Sterbenden sowie der Flüchtlinge und der Asylanten.

 

Aber nicht genug damit: In der Hl. Schrift wird Josef „gerecht“ genannt! Und das ist eine enorme Auszeichnung. „Josef, der gerecht war“, heißt es im Tagesevangelium (Mt 1,19). „Gerecht“, das ist weit mehr als nur „rechtschaffen, ordentlich und anständig“! „Gerecht“ im Sinne der Bibel ist ein Mensch, der mit beiden Füßen auf dem Boden steht und tief in Gott verwurzelt ist und daraus sein Leben gestaltet; ein Mensch also mit Rückgrat und Handschlagqualität und einer echten Frömmigkeit und Menschenfreundlichkeit.

Warum der Hl. Josef den Ehrentitel „gerecht“ mehr als verdient, zeigt uns unter anderem auch das Evangelium an seinem Festtag (Mt 1,16.18-21.24a). Über die Kindheit Josefs wissen wir nur, dass er aus dem Haus Davids stammte und in Nazareth gelebt hat. Auch führte er ein ganz „normales“ Leben. Er hatte eine Braut namens Maria. Und mit ihr zusammen wird er wohl eine gemeinsame Zukunft geplant haben. 

Doch plötzlich wird Josef mitten in diesem normalen Leben mit etwas konfrontiert, mit dem er nie und nimmer gerechnet hat. Maria, seine Braut, wird schwanger. Aber nicht von ihm! – Das trifft ihn wie ein Blitz mitten im Herzen; verletzt ihn zutiefst und lähmt und quält ihn Tag und Nacht! „Hat mich Maria betrogen? Ist sie fremdgegangen? Ist sie mir untreu geworden?“ 

Josef hätte nun allen Grund gehabt, Maria als Ehebrecherin anzuzeigen. Aber das tut er nicht! Denn dann wäre sie nach dem damaligen Gesetz zu Tode gesteinigt worden. Trotz allem will er ihren Ruf schützen! Und so beschloss er, sie eben nicht bloßzustellen, sondern sich in aller Stille von ihr zu trennen. So heißt es in der Schrift.   

Wenn man bedenkt, wie Josef mit dieser extrem belastenden Situation umgegangen ist, dann versteht man, wieso er „gerecht“ genannt wird oder? 

Wie schwer Josef dieser Entschluss, Maria zu verlassen, gefallen sein mag, können wir erahnen! – Und in diesen Kummer hinein spricht ein Engel die Botschaft: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen, denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, ihm sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1,20f). 

Das nun war für Josef das erlösende Wort! Doch diese Botschaft erfährt Josef von einem Engel. - Ist das wahr? Soll er das glauben? Vielleicht hat er sich getäuscht? Es war ja ein Traum!? Wie soll er das verstehen? usw. Wir wissen nicht, wie es ihm mit diesem Traum gegangen ist! Aber wir wissen sehr wohl, was er getan hat, als er erwachte. „Er tat, was ihm der Engel befohlen hatte“, steht in der Bibel! Josef nimmt also die schwangere Maria zu sich und ist von nun an ihr treuer Begleiter und nach dem damaligen Gesetz der Vater Jesu, der ihm auch den Namen gegeben und ihn ernährt und erzogen hat. 

 

Herbergsuche - (c) Krippenherberge Wildermieming
Herbergsuche - (c) Krippenherberge Wildermieming

Wer war also Josef? 

Er war ein gerechter, aber auch ein schweigsamer Mensch! Es ist uns - wohlgemerkt - kein einziges Wort aus seinem Mund überliefert! Und das, obwohl wir noch so vieles von ihm wissen und erfahren möchten oder? 

Josef war ein zutiefst hörender Mensch! Er hört auf Gott und seine Stimme. Er hört, was Gott ihm sagt und das ist für ihn bindend.

Josef ist ein Mann der Tat. Er redet und diskutiert nicht, sondern handelt! Er tut, was er als den Willen Gottes erkennt!

 

Josef ist ein liebender Mensch und ein treuer Gatte und Vater! Er steht Maria in ihrer schweren Stunde bei. Er flieht mit Maria und dem Jesuskind vor Herodes nach Ägypten und kehrt wieder mit den beiden zurück.

 

Josef ist ein mutiger Mann! Er lässt sich nicht vom Zeitgeist leiten. Er weiß, dass sein Hören auf Gott für ihn Konsequenzen hat. 

Flucht nach Ägypten - (c) Krippenherberge Wildermieming
Flucht nach Ägypten - (c) Krippenherberge Wildermieming

Josef ist aber auch ein demütiger Mann! Er nimmt sich zurück, damit Jesus wachsen kann. Er steht Jesus und seiner Mutter Maria nicht im Wege.

Josef ist der Mann am Rande. Er drängt sich nicht vor. Er steht immer im Schatten Mariens, sozusagen im zweiten Glied.

Im Leben Josefs spielen Träume eine große Rolle. Aber er ist kein Träumer! Er ist ein Realist! Er packt zu und handelt! Er war ja auch von Beruf „Tektor“, wie es im Griechischen heißt. Das wird meist mit Zimmermann übersetzt, bedeutet aber „Baumeister“.

 

Alles in allem gehört der hl. Josef zu den „stillen Helden des Alltags“ und auch zu unseren großen Vorbildern im Glauben. Weil er zutiefst mit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus verbunden ist, steht ihm wohl zu Recht ein Stammplatz in unseren Weihnachtskrippen zu.

Weihbischof Dr. Hansjörg Hofer

Geistlicher Beirat des Verbandes der Krippenfreunde Österreichs