Erscheinung des Herrn - Heilige Drei Könige


Liebe Krippenfreundinnen!

Liebe Krippenfreunde!

 


„Erscheinung des Herrn“. So heißt der dritte große Weihnachtsfeiertag. D.h. Jesus, der Sohn Gottes, ist uns im Kind von Betlehem erschienen. Aber dieser Jesus gehört nicht nur uns, sondern allen Menschen! Aller Welt ist er erschienen als Licht, als Hoffnung, als Sehnsucht, als Halt, als Fundament des Lebens! Was sich damals vor 2000 Jahren ganz unscheinbar und ohne großes Aufsehen abseits des großen Weltgeschehens im hintersten Winkel des römischen Reiches ereignet hat, das geht alle an, nicht nur die Hirten und die Repräsentanten in Jerusalem. Aller Welt ist er als Heiland erschienen! Das sagt uns das Fest der Erscheinung des Herrn. 

 

Und so ist es eigentlich ganz logisch, dass dieses göttliche Kind nicht nur die Einheimischen suchen, sondern auch Leute von überall her. Sterndeuter aus dem Osten werden sie im Evangelium genannt, die sich aufmachen, um den neugeborenen König der Juden zu suchen. Der Volksmund hat diese Sterndeuter zu Königen gemacht. Unter ihnen ist auch ein Schwarzer. Denn Jesus ist auch für die Menschen auf dem schwarzen Kontinent als Heiland erschienen, eben für alle!

 

Diese Magier aus dem Morgenland brechen auf, weil sie einen Stern gesehen haben, dem sie folgen. Dieser Stern verspricht ihnen Glück und ein neues Leben. Und das wollen sie suchen. Letztlich aber ist es die Suche nach Gott, die sie unruhig macht und die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. Weit weg von zu Hause suchen sie dieses Glück und eben auch dort, wo man normalerweise ein neugeborenes Königskind sucht, im Königspalast. Und auf ihrem Weg bestehen sie unzählige Gefahren, Hindernisse und auch Enttäuschungen. Aber ihre Sehnsucht nach Mehr lässt sie alle Krisen überstehen. 

 

Diese Sterndeuter aus dem Osten haben wirklich Großes im Sinn. Sie haben ein großes Ziel. Und ihre Erwartung muss sich wohl von Tag zu Tag gesteigert haben und größer geworden sein. Auch ihre Spannung und Neugierde. Nach all den Strapazen haben sie sich gewiss etwas Großartiges und Außergewöhnliches erhofft.

 

Anbetung der Könige - Majolika - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs
Anbetung der Könige - Majolika - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs
Heilige Drei Könige Jakob Lederer - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs
Heilige Drei Könige Jakob Lederer - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs
Heilige drei Könige heimatliche Krippe - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs
Heilige drei Könige heimatliche Krippe - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs

Und dann sind sie endlich am Ziel! Und was sehen, finden und erleben sie? Zuallererst wohl eine arge Enttäuschung! Denn da ist kein Königskind in Silber und Gold; von Prunk und Herrlichkeit keine Spur. Sie finden vielmehr in einer ganz gewöhnlichen Umgebung ein ganz gewöhnliches Kind, das nach außen hin zumindest gar nicht göttlich ausschaut. Aber der Stern sagt ihnen: Das ist es, besser gesagt: der ist es, den sie gesucht haben! Und sie fallen nieder und beten an. Sie huldigen diesem Kind und bringen ihm ihre Geschenke! 

 

Was ist geschehen? - Die Magier sind ausgezogen, um Gott zu suchen und ihre Suche endet so ganz anderes, als sie sich das vorgestellt haben! Sie finden Gott nicht im Himmel, sondern auf Erden. Sie finden ihn nicht im Außergewöhnlichen, sondern im Alltag! Sie finden ihn nicht im Wunder, sondern im Gewöhnlichen! -  Ob das nicht auch für uns ein deutlicher Hinweis ist?  

Wie oft warten auch wir auf etwas Außerordentliches und vor lauter Warten auf ein Wunder, das sich dann doch nicht einstellt, vergessen wir auf das Heute und verpassen dadurch viele Gelegenheiten, in denen uns Gott begegnen möchte.

 

Mir kommt vor, das ist ähnlich, wie bei jenen zwei Mönchen, die in einem alten Buch lesen, am Ende der Welt gebe es einen Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren. Sie beschlossen, diesen Ort zu suchen und nicht umzukehren, ehe sie ihn gefunden hätten. Sie durchwanderten die Welt, bestanden unzählige Gefahren, erlitten alle Entbehrungen, die eine Wanderung durch die ganze Welt fordert, und alle Versuchungen, die einen Menschen von seinem Ziel abbringen können. Eine Tür sei dort, so hatten sie gelesen, man brauche nur anzuklopfen und befinde sich bei Gott. 

Schließlich fanden sie, was sie suchten. Sie klopften an die Tür. Bebenden Herzens sahen sie, wie sie sich öffnete. Und als sie eintraten, standen sie zu Hause in ihrer Klosterzelle. Da begriffen sie: Der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren und Gott wohnt und zu finden ist, dieser Ort befindet sich auf dieser Erde, an der Stelle, die Gott uns zugewiesen hat. - Soweit die Geschichte.

 

Eine Frage: Ob die Sterndeuter aus dem Osten nicht wir selber sind? Auch wir spüren ganz tief in uns die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. Und letztlich ist das die Sehnsucht nach Gott selber. IHM begegnen wir nicht irgendwo, sondern - vorausgesetzt, dass wir ihn ehrlich suchen - im Alltag unsers Lebens, in unseren Mitmenschen und ganz sicher im Kind von Betlehem. Und dieses Kind sollen auch wir anbeten, denn es ist Christus, der Sohn Gottes und der Retter der Welt. 

Weihbischof Dr. Hansjörg Hofer

Geistlicher Beirat des Verbandes der Krippenfreunde Österreichs

 

 

Stern der Weisen Hans Ebli - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs
Stern der Weisen Hans Ebli - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs