Geistliche Impulse zum Advent 2021


Advent 2021 - Foto: Bertram Frei - Götzis
Advent 2021 - Foto: Bertram Frei - Götzis

Liebe Krippenfreundinnen!

Liebe Krippenfreunde!

 

Das Wort „Advent“ hat einen besonderen Klang, oder? Wörtlich übersetzt heißt es „Ankunft“. Die Adventzeit will uns also daran erinnern, dass da jemand bei uns und in uns ankommen möchte! Nicht irgendjemand, sondern unser Erlöser und Heiland Jesus Christus! Gemeint ist die Ankunft Jesu in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

 

Schauen wir zunächst auf die Ankunft Jesu in der Vergangenheit!

Wir meinen damit jenes geschichtliche Ereignis der Menschwerdung Gottes vor 2000 Jahren, das zur Zeitenwende geworden ist. Damals ist tatsächlich Gott in unserer Welt angekommen: in einem ganz bestimmten Land - Israel, in einer ganz konkreten Stadt - Betlehem, in einem armseligen Stall, weil in der Herberge für ihn kein Platz gewesen ist.

Aber trotz dieser historisch unleugbaren Ankunft Christi, ist der Herr damals längst nicht bei allen Menschen angekommen. Johannes der Täufer hat zwar diese Ankunft Jesu vorbereitet und angekündigt, und Christus hat selber um die Herzen der Menschen geworben. Aber eigentlich waren es nicht allzu viele, die in ihm wirklich den Retter erkannt haben und ihm gefolgt sind bis hin unter das Kreuz. Sich an diese Ankunft Jesu vor 2000 Jahren in Dankbarkeit zu erinnern, ist Sinn der jährlichen Adventzeit.

 

Advent meint aber auch - und damit bin ich nun beim Zweiten -, die Ankunft Jesu in der Gegenwart! Denn Christus will ja besonders in unseren Herzen ankommen.

In den Sakramenten z. B. dürfen wir IHM begegnen und auch in seinem Wort, das uns immer wieder verkündet wird. Freilich ist dies eine sehr unscheinbare Form, die die Gefahr in sich birgt, dass er übersehen und ignoriert wird. Christus will ankommen als Helfer und Tröster überall dort, wo jemand den Dienst der Gottes-und Nächstenliebe wahrnimmt. Denn wie sagt Jesus? „Alles, was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan hat, das habt ihr mir getan“ (Mt 25, 40)! Also noch einmal: in allen leidenden und kreuztragenden Menschen begegnen wir Christus.  

Nur wenn wir Gott in unserem Leben, d.h. in unseren Herzen, in unseren Familien, in unserer Kirche, in unseren Dörfern und Städten, in unserer Gesellschaft usw. ankommen lassen, kann es wirklich Advent werden!

 

Advent meint aber nicht nur die Ankunft Jesu in der Gegenwart, sondern auch seine Ankunft in der Zukunft! Diese Ankunft steht noch aus, denn es ist die endgültige Wiederkunft des Herrn am Ende der Zeiten. Dann wird er nicht mehr klein und unscheinbar in unserer Welt ankommen, sondern in großer Macht und Herrlichkeit, wie die Bibel sagt.   

Weil wir nicht wissen, wann der Herr wiederkommen wird, ruft uns Jesus auf, wachsam zu sein (vgl. Mk 13,35). Und wir wissen auch nicht, wie das sein wird. Wir wissen nur, dass er kommen wird und dass er dann alles vollenden wird: Welt, Schöpfung, Erde, Menschheit usw. 

Dann wird der Advent übergehen in die Erfüllung. Aber noch sind wir nicht soweit. Noch müssen wir diese Spannung zwischen "schon und noch nicht" aushalten. Aber genau das heißt Advent: in Erwartung ausschauen nach der Ankunft des Herrn!

 

Wie der heurige Advent wird, hängt weitgehend von uns selber ab! Auf alle Fälle sollten wir irgendeinen Akzent setzen, einen ganz konkreten Akzent. Wenn nicht, schlittern wir gedankenlos und unerfüllt auf Weihnachten zu. Und das wäre schade. 

Als Stichworte nenne ich nur die sog. Rorategottesdienste, die im Advent gefeiert werden. Sie möchten ohne Zweifel ein Zeichen dieser Wachsamkeit sein, die zum christlichen Advent gehört. Und ich nenne auch die Aktion "Seid so frei - Bruder und Schwester in Not", die uns wach sein lässt gegen-über unseren Mitmenschen. Alles das soll und kann uns helfen, Christus bei uns ankommen zu lassen, damit wir einmal endgültig bei ihm ankommen. 

 

 Weihbischof Dr. Hansjörg Hofer

Geistlicher Beirat des Verbandes der Krippenfreunde Österreichs