Liebe Krippenfreundinnen!
Liebe Krippenfreunde!
Ich bin positiv überrascht, dass es weit mehr sog. „Fastenkrippen“ gibt, als ich vermutet habe. Neben den Weihnachtskrippen, die sich in allen Kirchen und auch in sehr vielen Wohnungen und Häusern finden, sind also die Fastenkrippen „im Vormarsch“. Am Aschermittwoch werden sie aufgestellt. Denn mit diesem Tag beginnt die 40-tägige Fastenzeit.
Eingeläutet werden diese vierzig Tage mit dem Aschermittwoch. Dieser Tag hat seinen Namen vom Aschenkreuz, das den Gläubigen im Rahmen der Liturgie auf die Stirn gezeichnet oder auf den Kopf gestreut wird.
Dieses Aschenkreuz ist eines der ältesten Rituale der Kirche. Bereits in den alttestamentlichen Büchern Jona und Hiob diente die Asche als Zeichen der Buße. Der Priester spricht bei diesem Zeichen die Worte: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“. Es gibt aber auch das andere Begleitwort: „Kehre um und glaub an das Evangelium!“
Der Aschenritus stammt aus dem 11. Jahrhundert und damit aus jener Zeit, in der die Büßer sich öffentlich zu ihrer Sünde bekannt und sich mit Asche bestreut haben.
Die Asche und das Aschenkreuz ist also ein uraltes Zeichen der Buße, aber auch der Reinigung sowie der Vergänglichkeit unseres Lebens. Vor allem aber bekennen wir Christinnen und Christen mit dem Aschenkreuz auf der Stirn, dass der Tod nicht der Sieger, sondern der Anfang des ewigen Lebens bei Gott ist.
Worum es in der Fastenzeit eigentlich geht bzw. gehen soll, sagt uns ganz kurz und präzise ein Gebet, das der Priester am Beginn des Gottesdienstes am Aschermittwoch spricht. Dort heißt es: „Wir sollen dem Bösen absagen und mit Entschiedenheit das Gute tun!“ Prägnanter kann man es fast nicht mehr ausdrücken.

Also dem Bösen absagen! Dass es das Böse in unserem Leben gibt, wissen wir alle aus eigener Erfahrung oder? Und es gibt nicht nur das Böse in uns und um uns, sondern auch den Bösen! Er will uns täuschen, auf seine Seite reißen, durcheinanderbringen und den Kopf verdrehen. Deswegen sprechen wir ja auch z. B. in der Osternacht oder vor der Firmung: „Ich widersage“!
Wir sollen also dem Bösen absagen und mit Entschiedenheit das Gute tun! Da heißt es „mit Entschiedenheit“. Das meint: ganz bewusst, wohl überlegt, regelmäßig! Dass das keineswegs von selber geht, wissen wir auch. Denn oftmals werden wir regelrecht zwischen dem Bösen und Guten hin- und hergerissen. Wir alle kennen dieses innere Ringen und auch die Versuchungen, denen wir dabei ausgesetzt sind.
Der Aschermittwoch ist zudem - so wie auch der Karfreitag - für die Katholiken ein strenger Fasttag, an dem wir zum Zeichen unseres Umkehrwillens, aber auch aus Solidarität mit den unzähligen hungernden Menschen auf Fleischspeisen verzichten.
Die Fastenzeit zeichnet eine wohltuende Nüchternheit aus. Sie ist gekennzeichnet durch einfache Schlichtheit, wobei über allem eine klare Ernsthaftigkeit steht. Die Liturgie verzichtet in diesen Wochen auf das Gloria und das Halleluja sowie auch auf den Blumenschmuck. Die liturgische Farbe violett, die in diesen Tagen dominiert, ist die Farbe der Vorbereitung.
Alles das jedoch ist nur das äußere Gewand, die äußere Hülle der Fastenzeit. Was aber möchte sie in uns bewirken? Was ist der innere Zweck, der eigentliche Sinn dieser Zeit?
Da die Fastenzeit auch „Österliche Bußzeit“ genannt wird, wird deutlich, dass sie der Vorbereitung und der inneren Einstimmung auf unser größtes und wichtigstes Fest dient. Und das ist eben Ostern, das Fest des Leidens und Sterbens Jesu und seiner glorreichen Auferstehung. Doch wie sollten wir uns darauf vorbereiten?
Die Kirche gibt uns in diesem Bemühen - fast möchte ich sagen - ein Wundermittel in die Hand, das inzwischen millionenfach erprobt und Jahrhunderte lang bewährt ist. Es heißt: Fasten, beten und Almosen geben! Dieses Dreigestirn gehört zusammen. Richtig angewendet, vermag diese Arznei einen wohltuenden Heilungsprozess einzuleiten.
Dass Fasten in unserem Zusammenhang nichts mit Abspecken, das durchaus auch sinnvoll ist, zu tun hat, wissen wir. Beim Fasten geht es der Kirche also nicht um die äußere ideale Figur, sondern vielmehr um den inneren Menschen! Nicht um eine Schlankheitskur geht es, sondern um einen geistlichen Vorgang!
Fasten heißt: Wieder neu zur eigenen Mitte vorstoßen. Wesentlich werden. Unter die Oberfläche schauen. Tiefgang bekommen. Sich mäßigen, um das rechte Maß zu finden. Fasten ist also ein innerer Vorgang, der den ganzen Menschen betrifft. Es geht um ein Fasten mit allen Sinnen!
Immer mehr Menschen schenken sich in der Fastenzeit vor Ostern eine „Auszeit“ für Leib und Seele. Diese Zeit bietet eine gute Gelegenheit, über den eigenen Lebensstil nachzudenken und sich neu zu orientieren. Ziel des Fastens ist es, bewusster und wesentlicher zu leben. Wer gefastet hat, erlebt eine neue Lebensqualität. Wer sich also an das bewährte Rezept der Kirche „Fasten, beten und Almosen geben“ hält, dem wird ganz sicher ein Stück innere Freiheit geschenkt und dazu gewiss auch noch ein schönes Osterfest.
Ich wünsche Ihnen eine wesentliche und gesegnete Fastenzeit!
Weihbischof Dr. Hansjörg Hofer
Geistlicher Beirat des Verbandes der Krippenfreunde Österreichs