Liebe Krippenfreundinnen!
Liebe Krippenfreunde!
Die Botschaft von Weihnachten lautet: „Gott wird Mensch!“ Im Grunde ist das für unser Denken unvorstellbar, unbegreiflich und unglaublich! Niemand hätte sich das ausdenken könnten! Es ist ein Geheimnis unseres Glaubens!
Aber Gott wird nicht nur Mensch, er wird sogar ein Kind! Und in diesem Kind schaut uns Gott an! Der ganz Ferne kommt uns ganz nahe! Von Anton Bruckner wird erzählt, dass er nach der Christmette, nachdem er die Orgel gespielt hatte, betend in der Kirche zurückgeblieben ist. Als am Christtag die Sänger zum Morgenamt auf den Chor kamen, sahen sie das Musikgenie tief im Gebet versunken da knien, unverwandt zur Krippe blickend. Erstaunt fragten sie: „Anton, du bist immer noch da?“ Seine Antwort war: „Ich bin einfach damit nicht fertig geworden, dass ER ein Mensch geworden ist!“ Das Kind in der Krippe ist also der Sohn Gottes!
Und es ist der Retter! Der Engel sagte zu den Hirten: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren“ (Lk 2,11)! Im bekannten Lied „Stille Nacht“ singen wir: „Christus, der Retter ist da!“
Doch wer ist denn eigentlich ein Retter? Das ist jemand, der uns aus einer ausweglosen, vielleicht sogar tödlichen Situation befreit. Wer z.B. stundenlang in einem Lift oder tagelang in einem Tunnel eingeschlossen ist und dann Schritte hört, weiß, was ein Retter ist oder?
Durch die Geburt Jesu wurden auch wir gerettet! - Wovon? „Von Sünd und Tod“, wie es im Lied „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ heißt. Weil Gott Mensch geworden ist, hat er die Tür zum Himmel aufgeschlossen. Das war und ist unsere Rettung! Nun steht uns der Himmel wieder offen! Wir sind nicht mehr allein!
Weihnachten zeigt uns also, wer Jesus, das Kind in der Krippe, ist:
Er ist der Sohn Gottes und der Retter; unser Retter und der Retter der Welt!
Doch die alles entscheidende Frage lautet: „Wer ist denn dieser Jesus für uns, für dich und mich?“ - Im bekannten Kirchenlied von Paul Gerhardt heißt es: „Ich steh an deiner Krippe hier, o Jesus, du mein Leben. Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen!“ - Wenn wir das Kind in der Krippe nicht nur anschauen, sondern auch unsere Knie vor ihm beugen, werden wir erahnen, wer dieses Kind ist: der Sohn Gottes und unser Retter! Dass uns diese Überzeugung geschenkt wird, ist mein Weihnachtswunsch für Sie alle!
Rund um Weihnachten hat sich ein vielschichtiges Brauchtum entwickelt. In zahlreichen Häusern steht nicht nur eine Weihnachtskrippe, sondern auch ein Christbaum. Für viele Menschen ist eine Weihnachtsfeier in der Familie und genauso im Betrieb ohne Christbaum undenkbar. Auch in den Kirchen stehen in der Weihnachtszeit festlich geschmückte und mit Lichtern übersäte Christbäume. Aber auch die Reklame und ebenso die Wirtschaft wissen längst um die Bedeutung dieses Symbols.
Was aber will und kann uns ein Christbaum sagen? So wie jeder Baum ein Symbol für das Leben ist, so erst recht der Christbaum. Er weist uns darauf hin, dass durch die Geburt Christi, die wir zu Weihnachten feiern, „das Leben schlechthin“ in unsere Welt gekommen ist. Das Grün der Tannen ist zudem die Farbe der Hoffnung. Wir hoffen und vertrauen darauf, dass das göttliche Kind in der Krippe, uns als Heiland und Erlöser durchs Leben begleitet. Die Kerzen auf den Christbäumen erinnern uns daran, dass durch die Geburt Jesu das „Licht der Welt“ erschienen ist.

Die Strohsterne, die den Christbaum schmücken, verweisen uns auf das Heu und das Stroh in der Krippe und damit auf die armseligen Umstände seiner Geburt. Die Strohsterne lassen uns aber auch an den Stern von Bethlehem denken, der die Weisen aus dem Morgenland geleitet und zum Ort der Geburt hingeführt hat. Weil der Christbaum eine Verbindung mit dem Paradiesesbaum herstellt, werden auf ihn auch Äpfel gehängt. Die roten Äpfel versinnbildlichen das Blut, das der Neugeborene später vergießen wird, um die Menschen zu erlösen. Die Christbaumkugeln aus Glas, Metall oder anderen Materialien kann man auch als Ersatz für die ehemaligen Paradiesäpfel verstehen.
Da heute das Geschäft mit dem Christbaum ein nicht unbedeutender Wirtschaftszweig geworden ist, spielt leider die erwähnte Symbolik immer weniger Rolle. Künstliche Christbäume aus Metall oder Kunststoff, die oft auch zusammenlegbar und wiederverwendbar sind, sind ein Zerrbild des echten Christbaumes.
Möge der Christbaum neben aller Romantik und auch Nostalgie, die wir mit ihm verbinden, unsere Herzen öffnen für Jesus Christus, den Erlöser der Welt, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern. ER ist der Sohn Gottes und unser Retter! Vor allem aber bitten wir den menschgewordenen Gottessohn um den Frieden! Um den Frieden in unseren Familien, in unserem Land und in der großen weiten Welt! Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest!
Weihbischof Dr. Hansjörg Hofer
Geistlicher Beirat des Verbandes der Krippenfreunde Österreichs