Gedanken zum Neujahrstag 2024


Liebe Krippenfreundinnen!

Liebe Krippenfreunde!

 


Vor einer Woche war Christtag, und heute - acht Tage später - feiern wir das Hochfest der Gottesmutter Maria. Stand zu Weihnachten das göttliche Kind in der Krippe im Mittelpunkt, so heute Maria, die Mutter Jesu. Weil sie Ja gesagt hat, ist Gott Mensch geworden!

Maria mit dem Jesuskind - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs
Maria mit dem Jesuskind - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs

Bei der Weihnachtspost, die ich bekommen habe, ist mir ein Brief in die Augen geschossen. Auf dem Billett ist ein Einkaufswagen zu sehen, wie sie vor den Supermärkten zuhauf stehen. Im Wagen drinnen liegt ein Kind. Da über dem Wagen ein Stern leuchtet, ist klar, dass dieses Kind das göttliche Kind ist. Normalerweise liegt es in einer Krippe und nicht in einem Einkaufswagen. 

Eigenartig, habe ich mir gedacht! 

Aber da stand neben der Zeichnung auch noch ein Text. Drei kurze Sätze. Sie lauten: „Schön, dass Du mich gefunden hast!“ Zweitens: „Ich heiße Jesus“! Und der dritte Satz ist eine Frage: „Kann ich bei Dir groß werden?“

Und bei diesen drei kurzen Sätzen bin ich hängengeblieben! Sie enthalten die ganze Weihnachtsbotschaft! „Schön, dass Du mich gefunden hast!“ - Wer sucht, der findet, heißt es! Es gibt heute so viele suchende Menschen. Im Grunde suchen sie alle nach Sinn, Erfüllung und Glück! Sie suchen nach einem sinnvollen Leben, Beruf usw. Ob sie letztlich nicht alle Gottsuchende sind? 

Doch wohlgemerkt: Wir können nur deswegen Gott suchen, weil ER den ersten Schritt getan hat und auf uns zugegangen ist. Und das feiern wir zu Weihnachten: Gott kommt auf uns zu. Er wird Mensch und sogar ein Kind! Also: „Schön, dass Du mich gefunden hast!“ Weil Jesus unser Leben mit allen Höhen und Tiefen teilt, können wir ihn suchen und auch finden!

Der zweite Satz lautet: „Ich heiße Jesus!“ In der Bibel lesen wir: „Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus“ (Lk 2,21). Und Jesus heißt übersetzt: „Gott rettet!“ Deswegen haben wir auch gesungen: „Christus, der Retter, ist da!“ 

Beschneidung Christi, Johann Giner d. Jüngere, 1860, Thaur - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs
Beschneidung Christi, Johann Giner d. Jüngere, 1860, Thaur - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs

Doch dieser Jesus ist nicht irgendein Retter, sondern unser Retter und Heiland, unser Herr und Meister! Noch liegt er sozusagen im Einkaufswagen, d.h. in der Krippe. Aber als Erwachsener ruft er uns alle in seine Nachfolge, um uns eben zu retten, damit unser Leben gelingt. Und genau das will er!

Und der dritte Satz heißt: „Kann ich bei Dir groß werden?“ Doch diese Frage hat es in sich! Es ist die Gretchenfrage: „Wie hältst du es mit mir?“ Im Evangelium des Christtages heißt es: „ER, Jesus, kam in sein Eigentum - also in unsere Welt - doch die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11)! - Und wie sehr habe ich Jesus in mein Leben aufgenommen? Immer wenn wir IHN aufnehmen, kann es Weihnachten werden! Dass Jesus in einem Einkaufswagen liegt, will wohl andeuten, dass sich Weihnachten mitten im Alltag ereignen kann.

Auf den Fluren von Bethlehem sangen die Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen seines Wohlgefallens“ (Lk 2,14)! 

Gloria in excelsis Deo - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs
Gloria in excelsis Deo - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs

 Die Engel singen also vom Frieden! - Deswegen begeht die Kirche den Neujahrstag auch als den „Weltfriedenstag“. Doch wie es heute um diesen Frieden bestellt ist, wissen wir! Mitten in Europa, aber auch in Israel wütet der Krieg! Und Krieg heißt: Tod, Zerstörung, Tränen, Angst, Flucht, Ausweglosigkeit, materieller und psychischer Ruin usw. „Krieg ist immer eine Niederlage für die Menschheit“, betont Papst Franziskus. Aber alle Menschen sehnen sich nach Frieden: nicht nur die Menschen in der Ukraine, in Russland, in Israel usw., sondern auch bei uns! 

Doch wie kann es denn Frieden werden? - Ob wir da nicht alle recht hilflos sind? 

Landeskrippe Salzburg - (c) Landeskrippenverband Salzburg - Keltenmuseum
Landeskrippe Salzburg - (c) Landeskrippenverband Salzburg - Keltenmuseum

Zugegeben: ich schon! Ich meine, die Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach hatte schon recht, wenn sie schreibt: „Frieden kannst du nur haben, wenn du ihn gibst!“ Im Klartext heißt das: der Frieden beginnt bei mir und bei dir! 

Das meint wohl auch Papst Franziskus, wenn er alle Männer und Frauen guten Willens als „Handwerker des Friedens“ bezeichnet! Ein Handwerker braucht zunächst eine Idee, eine Vorstellung, eine Vision von dem, was er machen will. Aber dann braucht es viele ganz kleine, konkrete Schritte. - Solche Schritte könnten für uns sein: gute Gedanken haben, positiv von den anderen reden, mit den Worten abrüsten, sich nicht zum Hass hinreißen lassen, die Hand zur Versöhnung ausstrecken, um den Frieden beten usw. Denn solange es mir nicht gelingt, in meinem eigenen Haus Frieden zu halten, solange wird es auch im Großen keinen Frieden geben! Wir alle können also „Handwerker des Friedens sein!“

Und wieder stehen wir vor einem Neubeginn: am Anfang eines neuen Jahres! Wer weiß, wohin uns das Jahr 2024 die Füße tragen, welche Wege wir 2024 zurücklegen müssen, wie oft wir vielleicht mutlos und einsam sind, welche Kreuzwege, Umwege und Heimwege wir gehen müssen, ob wir am richtigen Weg sind, wie es im persönlichen Leben, in der Familie, in der Welt usw. weitergeht!

Wer aber denkt daran, dass alles in Gottes Hand liegt, dass ER immer mit uns ist, dass ER uns jeden Tag eine neue Chance gibt; dass wir aus eigener Kraft nicht viel zusammenbringen, dass ER unser Vater ist? Wer aber denkt daran, dass die Zeit so gut oder so schlecht ist, wie jeder einzelne von uns? 

Deswegen bitten wir den Herrn um jenen Segen, den der Gottesmann Aaron über sein Volk gesprochen hat: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden!“

 

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes und damit friedvolles und gesundes neues Jahr 2024!  

Weihbischof Dr. Hansjörg Hofer

Geistlicher Beirat des Verbandes der Krippenfreunde Österreichs

  

Maria Mutter Gottes - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs
Maria Mutter Gottes - Foto (c) Verband der Krippenfreunde Österreichs