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KRIPPENMAUERN
Schön und geheimnisvoll sind alte Mauern. In der Krippe
kommen sie in den verschiedensten Arten und Formen vor.
Sieht man davon ab, dass schon im Krippengelände, bei
Aufgängen, Brunnen oder Mauerzäunen die verschiedensten
Mauerarten zu sehen sind, bekommt man die besten Details
erst an Gebäudeteilen, Häuserecken, Ruinen und
Abbruchteilen zu sehen. Da hat sicher jeder Krippenbauer
sein Bestes gegeben, seinen Ideen freien Lauf gelassen und
mit Gefühl an jedem Mauerteil so lange getüpfelt,
bis alles möglichst naturgetreu ausschaute. Die tollsten,
„ausgefinkeltsten“ Ideen sieht man aber erst,
wenn man mit offenen Augen Krippenschauen geht.
Wie sagt man so schön: Eine tolle Krippe, aber was
wäre sie ohne die alten Mauern!
Wir sind alles Krippenbauer. Jeder von uns hat schon in
irgend einer Art mit Krippenmauern zu tun gehabt. Sei es
beim Bau eines Aufganges oder einer Geländemauer, beim
Stadtteil oder einer Stallruine. Wir sehen schon, beim Krippenbau
ist man ständig mit Mauern in irgend einer Form konfrontiert.
Jede ist anders gebaut, jede hat ein anderes Gesicht. Darum
ist es selbstverständlich,
dass bei dieser Vielfalt oft die ausgefallensten Arbeitstechniken
zum Einsatz kommen. Grundsätzlich unterteilen wir in
Stein-, Ziegel oder verputzte Mauern. Dabei spielen nicht
nur verschiedene Arbeitstechniken, sondern auch unterschiedliche
Materialien eine wesentliche Rolle.
Steinmauern
Wir kennen mehrere Bauarten. Im ersten Fall setzt man aus
verschieden groß geschnitzten Holzstöckchen (Zirben
oder Lindenholz) mittels Kaltleim eine Mauer auf und achtet
dabei, dass die Klötzchen nicht nur in der Größe
unterschiedlich sind, sondern vielmehr, dass beim Aufmauern
die Steine unterschiedlich gesetzt werden. Der eine vor,
der andere etwas hinten, ähnlich der Mauer auf dem
Foto. So erreicht man eher eine gewünschte Natürlichkeit
als mit jenen Steinen, die mit der berühmten Wasserwaage
zwar pfeilgerade gemauert, aber dafür unnatürlich
wirken. An einem zweiten Beispiel möchte ich die Arbeit
mit der allgemein bekannten Steinchenmasse in Erinnerung
rufen. Dabei muss ich gestehen, dass ich meine Krippenmauern
am liebsten mittels dieser Methode baue. Sie ist einfach
und effektvoll. Aus dieser besagten, selbst hergestellten,
keksteigähnlichen Masse, der Steinchenmasse (Das Rezept
wurde beim Brückenbau ausführlich beschrieben.)
formt man unterschiedlich große, flache Steinchen.
Viele Krippenbauer lassen sie vor dem Aufmauern trocknen.
Ich nehme sie nass und frisch, gleich nach dem Formen und
setze sie mit Kaltleim zu einer gefälligen Mauer auf.
Ansonsten ändert sich an der Arbeitsweise nichts. Auf
jeden Fall probieren und dann urteilen!
Gebäudemauern
Bei den Gebäudemauern verwenden wir neben den eben
erfahrenen Arbeitstechniken noch einige andere. Gleichen
sich die Arbeitsmethoden vieler dieser Arbeiten durchaus,
so liegen die Anforderungen aber trotzdem etwas anders.
Bedenkt man, dass allein durch die Zubereitung der Verputzmasse,
in einen feinen oder groben Krippenmörtel, viele verschiedene
Mauerstrukturen erreicht werden können. Einen Gesamteindruck
bekommt man aber erst durch Bruchstellen, Risse und abgebrochene
Putzstellen. Stein und Ziegelstrukturen, die dabei sichtbar
werden, vermitteln dem Betrachter erst die täuschende
Ähnlichkeit alter Mauern. Besonders liegt es mir am
Herzen, vom Salzburger Krippenpionier, dem "Schläffer
Xandi" zu erzählen, der es hervorragend verstand
durch seine kombinierte Stein-Ziegel-Verputztechnik der
Weihnachtskrippe etwas besonderes zu geben. Bei deren Anblick
man das Gefühl nicht los wird, vor einer echten, alten
Eckmauer zu stehen. Bevor er Steine und Ziegel aufmauerte,
musste er das untere Gebäudeeck großzügig
ausschneiden. Spätestens jetzt verdeutlicht uns dieses
Eck, wie geschickt er vom Boden dieses ausgeschnittene Loch
mit einigen Reihen rundlichen Steinen (Steinchenmasse!)
aufmauerte und darauf mehrere Reihen schmale, kleine, scharfkantige
Ziegel setzte. Durch Zusammenwirken von Steinen und Ziegeln
wurde dieses, zuvor nebensächliche Eck ein Blickfang.
Zum Abschluss hat er den Rest der Mauer bis hin zum Ziegel
bzw. Steinrand alles mit feinen Mörtel verputzt und
so dem Ganzen diesen besonderen Reiz verliehen. Prädikat
- Nachahmenswert!
Noch eine interessante
Verputzart möchte ich
in Kurzform beschreiben. Eine glatte Verputztechnik mit
2 verschiedenen, übereinanderliegenden Mörtel.
Einen Grobputz als Untergrund und einen Feinputz als Abschluss.
Bevor wir allerdings mit dem Mörteln beginnen, generell
alle zu verputzenden Teile mit Leimwasser zur besseren Haftung
bestreichen. Anschließend werden alle vorgesehenen
Teile mit Grobputz verputzt. Unter Grobputz versteht man
zum üblichen Krippenmörtel dazu gerührtes,
gröberes Sägemehl. Für den nun kommenden
Feinputz rührt man Grundkreide und Leimwasser zu einer
Hautcremeähnlichen Paste und streicht mit einer Spachtel
über den bereits angetrockneten Grobputz eine ca. 2-3mm
dicke Schicht. Das Ganze lassen wir einige Stunden ziehen,
oder besser antrocknen.
Nun kommt der kleine Kniff! Mit einem spitzen Gegenstand
(Nagel oder Dorn) fährt man zwischen den zwei übereinanderliegenden
Putzsorten, und hebt einige Stück von der obersten
Schicht ab. Durch diese Technik erhält man natürliche
Bruchstellen, die einem abgeblättertem Mauerwerk täuschend
ähnlich schauen. Mit dem Trocknen entstehen auf der
obersten, feinen Putzschicht viele kleine und mittlere Haarrisse.
Diese wirken so natürlich, dass man die passenden Risse
belässt und die restlichen wieder zuschmiert. Damit
haben wir, ohne großen Aufwand, eine rissige, alte
Mauer mit abgebrochenem Putz gebaut.
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