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DER BRUNNEN
Brunnen haben in unserem Land einen hohen Stellenwert, im
Orient aber einen besonderen. Der Brunnen symbolisiert Leben.
Er ist wie eine Pulsader, ist lebenswichtig und gehört
gleichsam als Symbol auf jede Krippe, nicht nur weil man
Hirten und Schafe damit verbindet oder den Platz der Begegnung
verdeutlicht, sondern weil er den Zugang zum Inneren der
Erde und zu den Quellen des Lebens verdeutlicht. Brunnen
im Orient, mit ständig fließendem Wasser sind
seltener als in unserem Land und stehen deshalb meist im
Mittelpunkt von Einfluss und Macht. Einer der bekanntesten
im Hl. Land ist der Marienbrunnen von Nazareth. Er war auch
schon vor 2000 Jahren nachweislich die sicherste Wasserstelle
dieses Ortes. Bis zum heutigen Tag sprudelt seine Quelle
und man ist sich ziemlich sicher, dass die Hl. Familie daraus
Wasser schöpfte.
Weit häufiger als dem Dorfbrunnen begegnet man dem
typisch orientalischen Ziehbrunne oder der Zisterne. Man
erkennt sie an einer mit Mauerwerk oder Steinen umgebenen
Vertiefung. Manchmal steht ein hölzernes Gestell oder
Wassergalgen mit Seilrolle am Brunnenrand. Das Wasser wird
mittels an einem Strick hängendem Kübel herausgezogen.
Man bekommt im Hl. Land diese Art von Brunnen nur mehr vereinzelt,
in der Krippe dagegen des öfteren zu sehen. Er ist
sehr dekorativ und wird daher gerne gebaut. Wir sehen schon,
die Geschichte berichtet uns von vielen wichtigen Brunnen.
Einer soll hier noch erwähnt sein. Es ist dies wohl
der bekannteste unter ihnen, der Jakobsbrunnen. Wir kennen
ihn aus der Bibel. Er steht nicht nur für Wasser und
Leben, sondern weist auf die Stätte der Begegnung.
Wenn sich also von diesen historischen Brunnen ein Bezug
zur Krippe ableiten lässt, meint man sicher damit den
Dreikönigs-, oder Jakobsbrunnen in Bethlehem. Er befindet
sich an „der Stelle“, wo auf dem Weg zur Krippe
die Weisen den Stern wieder erblickten. Aber auch der Josefbrunnen,
wo einst der „Ägyptische Josef“, jüngster
Sohn von Jakob, von seinen Brüdern in die Zisterne
geworfen wurde, oder der Brunnen bei Samaria, wo einst Jesus
die Samariterin belehrte, sind gute Gründe einen Brunnen
auf die Krippe zu bauen, denn sie alle sind geschichtstragende
Symbole.
Wir sehen schon, Darstellungen wie Brunnengruppen, Hirten
bei Viehtränken oder Frauen mit Wasserkrügen zeugen
von täglichen Zusammenkünften. Man begegnet sich,
man plaudert, informiert, erzählt oder schöpft
einfach Wasser. Alles gute Gründe zum Brunnen zu gehen.
Auf der heimischen Krippe ist der Brunnen ein viel gebauter
Krippenteil. Mag sein, dass man in unserem wasserreichen
Land einen Brunnen für selbstverständlich hält,
im Orient dagegen ist er mit Sicherheit seltener anzutreffen.
Auch in der Krippe ist die Wasserstelle von Bedeutung und
die Bauarten gestalten sich dabei recht vielfältig.
Für den heimischen Brunnen holt sich der Krippenbauer
seine Motive und Ideen aus der ländlichen Gegend. Beim
orientalischen liegt dies etwas anders. Meist ist ein Brunnen
im vorderen Stadtteil, nahe am Tor, an einer Mauer oder
sogar freistehend angesiedelt. Nehmen wir an, in unserer
Krippe wäre an einer der genannten Stellen ein geeigneter
Platz. Ein guter Grund einen Brunnen zu bauen!
Einfache Tipps zum
Bau von „Orientalischen Brunnen“
1. Damit der Eindruck entsteht, der Brunnen sei mit Wasser
gefüllt, schneidet man zu Beginn ein dünnes Brettchen,
das gleichzeitig die Wasserfläche darstellen soll,
in die gewünschte Form.
2. Man setzt diese Platte auf zwei Klötzchen, wie aus
der vorstehenden Skizze leicht zu sehen ist.
3. Anschließend mauert man mit vorgefertigten, ungleich
großen Holzsteinchen mittels Leim entlang am Rand
des Brettchen´s den Brunnenschacht hoch. Die Höhe
der Mauer soll den Brunnenfiguren entsprechen (Krippenmeter).
Wir erkennen gleich wie attraktiv und einfach ein solcher
Brunnen zu bauen ist. Allerdings sollte man dabei einige
Ratschläge beachten. z. B.: beim Aufmauern nicht zu
genau arbeiten. Eine gewisse Ungenauigkeit darf hier absichtlich
entstehen.
4. Weiters werden die Spalten zwischen Wasserfläche
und Mauer mit Krippenmörtel glatt zugestrichen.
5. Eine hölzerne Wasserrinne aus einem ausgehöhlten
Zweiglein, das aus der Mauer hervorsteht erweckt den Eindruck
einer sprudelnden Quelle.
6. Zum Abschluss könnte man einen aus Holz geschnitzten,
schräg abgeschliffenen Kübel auf die Wasserfläche
leimen. Die Wirkung des halb ins Wasser getauchten Wassereimers
wird noch erhöht, indem man an einen aus Blumendraht
gebogenen Henkel einen geleimten Spagat (er wird nach dem
Trocknen steif!) anbringt und den Strick schön durchhängend
an einen nahen Baumast befestigt.
7. Ein letzter Tipp: Beim Malen die Wasserfläche leicht
grün-grau, aber auf keinen Fall zu „BLAU“malen!
Peter Schrettl
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