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DIE BRÜCKE
Brücken sind Übergänge, sind Verbindungen
sind Bindeglieder. Mühelos und gesichert überquert
man auf ihren Rücken reißende Bäche, Schluchten,
Gräben oder Abgründe und sie führen uns gefahrlos
über jedes Hindernis. Im Hl. Land ist einiges anders.
Bäche sind ausgetrocknet. Brücken kann man nur
vereinzelt sehen. Es gibt nicht so viel zu „überbrücken“.
Der Niederschlag im Land ist gering und nur an wenigen Wintermonaten
ist man ausreichend mit Wasser versorgt. Durch diese Wasserknappheit
findet man über die meist ausgetrockneten Flussbeete
nur an wenigen, wichtigen Stellen Übergänge oder
Brücken. Sie stehen beinahe das ganze Jahr unscheinbar
über ausgedorrten Bachbetten und Gräben. Allerdings
nur bis zur Regenzeit. Wenn dann aus Rinnsalen reißende
Wildbäche werden, wenn das Land durch Wassermassen
unüberwindbar geteilt wird, dann sind sie für
Mensch und Tier meist einzige Verbindung oder rettender
Übergang an die sichere Seite.

Symbolisch gesehen steht eine Brücke, Überführung
oder ein einfacher Steg für den Übergang in die
Zukunft, von der alten in die neue Welt, von der Vergangenheit
in die Neuzeit. Aber vor allem steht die Brücke für
den Wechsel vom Alten ins Neue Testament. Gerade vor 2000
Jahren, um Christi Geburt, begann unsere Zeitrechnung. Brücken
symbolisieren uns anschaulich diese Wende von der alten
in die neue Zeit.
Sie sind aber nicht nur Symbole, sondern zieren den Krippenberg,
lockern das Gelände auf und bringen Natürlichkeit
in die Landschaft und sind gerade deshalb in so vielen Krippen
zu sehen. Auf heimatlichen ebenso wie auf orientalischen
Krippen. Dabei ist die Bauart je nach Krippentyp verschieden.
Unterscheiden wir daher in heimische und orientalische Brücken.
Steine gibt es ja im Hl. Land mehr als genug. Holz dagegen
ist Mangelware. Schon deshalb ist in der heimatlichen Krippenszene
die Holzbrücke, in der orientalischen die Steinbrücke
stärker vertreten.
Einige Hinweise dazu:

Die „Orientalische Brücke“ lässt sich
aus geschnitzten „Holzsteinchen“ ebenso leicht
wie mit Steinchenmasse bauen. Holzsteinchen werden aus Zirben
oder Lindenholz - sie lassen sich besonders gut schnitzen-
in mehreren eher flachen, unterschiedlichen Größen
zugeschnitten. Mit einem scharfen Schnitzmesser schneidet
man Kanten und Ecken ungleichmäßig ab und erreicht
damit brauchbare, steinähnliche Hölzchen, die
sich vorzüglich zu Mauern und Brückenteile mit
Leim aufsetzen lassen. Mit diesen vorbereiteten Holzstöckchen,
oder geformten Steinchen aus der bereits erwähnten
Masse, bauen wir eine orientalische Brücke. Unterschiedlich
soll dabei nicht nur die Größe der Steine, sondern
das ungleiche Aufmauern sein. Ich meine damit, dass Stein
für Stein „nicht zu genau“ übereinander
liegen, sondern ungleich versetzt sein sollen. Der Eine
gehört ein wenig zurück, der andere Stein etwas
nach vor gerückt. Dadurch erreicht man eine unregelmäßige
Mauerstruktur von besonderem Reiz.
Fehlt noch was? Natürlich fehlt noch etwas! Über
die Form der Brücke und über die Steinchenmasse
haben wir noch nicht gesprochen! Ja, richtig,! Aber die
Brückenform sollten wir uns eigentlich mit etwas Eigenphantasie
selbst überlegen. Ich bin sicher, dass jeder einige
brauchbare Ideen hat. Oder? Einige Zeichnungen sollen dabei
helfen die eigenen Gedanken anzuregen! Das Rezept der angesprochenen
„Steinchenmasse“ möchte ich noch kurz in
Erinnerung rufen. Etwas Grundkreide wird mit Leimwasser
angerührt. Mit zugefügtem Holzschleifstaub daraus
eine knetbare Masse, ähnlich einem Keksteig, zubereiten.
Daraus kann man mit Leichtigkeit Steinchen in verschiedenen
Größen und Formen kneten und damit im nassen
Zustand mittels Kaltleim die geplante Brücke aufbauen.
Bei der „Heimatlichen Brücke“ ist vieles
anders und einfacher. Denn manchmal liegt in der Einfachheit
das Besondere. Ein Steg mit einem einzigen, leicht durchgebogenen
Brettchen ist meist genug einen Übergang anzudeuten.
Das Sprichwort „weniger ist oft mehr“ hat auch
in der Krippe hohen Stellenwert. Zwar stimmt dies nicht
immer denn gelegentlich drängt sich ein geeigneter
Platz für eine größere, Brücke im Krip,engelände
förmlich auf und den sollte man nutzen.
Peter Schrettl
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