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Die abenteuerliche Reise

der Holzmeisterkrippe in der Bubenburg in Fügen

Die Hauskapelle der Bubenburg in Fügen birgt jedes Jahr in der Weihnachtszeit
eine besondere Kostbarkeit.
Der geschichtsträchtige Raum, in dem sich 1822 im damaligen Fügener Schloss
der Grafen Dönhoff (heute Bubenburg) Kaiser Franz der I. von Österreich und
Zar Alexander I. von Russland trafen, ist die Heimat der berühmten
Holzmeisterkrippe aus Fulpmes. Vom 2. Adventsonntag bis zum Fest
Maria Lichtmess (2. Februar) kann man dort eine der schönsten Hauskrippen
des Zillertal bewundern.
Bis zum Jahre 1909 war die Krippe im Besitz der Familie Holzmeister in Fulpmes.
Sie stammt, ursprünglich dreiteilig, aus der Hand von Johann Holzmeister, dem
Vater des bekannten Tiroler Architekten Prof. Dr. Clemens Holzmeister.

Einzug der Könige

Im Jahre 1891 übersiedelte die
Familie nach Innsbruck/Mühlau.
1909 erwarb der Kapuzinerpater
Raphael Huter die Krippe von
der Familie Holzmeister um 600
Kronen für das neu erbaute
St. Fidelishaus des
Seraphischen Liebeswerk in
Dorf Tirol bei Meran.
Es war dies das erste
Kinderheim des Seraphischen
Liebeswerkes der Kapuziner
im damals noch gemeinsamen
Tirol.
Während des Kriegsgeschehens

Anbetung der Könige


im Ersten Weltkrieg wurde das St. Fidelishaus in Dorf Tirol als Lazarett
für verwundete Soldaten eingerichtet. Im Zuge dessen wurde die                              

Krippe stark in Mitleidenschaft
gezogen. Die Figuren wurden
unsachgemäß behandelt,
teilweise zerbrochen, einige
sogar
zerstört und unter
allerlei Gerümpel
auf dem
Dachboden gelagert
                 
Im Jahre 1919 kam Pater
Franz Josef Kramer als
Direktor des Liebeswerkes
nach Dorf Tirol.




Liebevolles Detail



Die Krippenfiguren auf dem Dachboden weckten sein Interesse,
und er begann aus den noch vorhandenen Stücken, die Krippe wieder
herzustellen. Auch die zerbrochenen Figuren setzte er mit viel Geschick
wieder zusammen.

Als im Jahre 1928 das St. Fidelishaus in Dorf Tirol an die Erzdiözese Trient
abgegeben wurde, kam die Krippe in den Drittordenssaal des Kapuzinerkloster
in Meran.
Bereits 1926 hatte das Seraphische Liebeswerk des Kapuzinerordens das
ehemalige Schloss von Fügen erworben. Es hieß jetzt Knabenheim St. Josef .
Dorthin brachte Pater Franz Josef Kramer die Krippe, nachdem er sie unter
abenteuerlichen Umständen über den Brenner nach Nordtirol gebracht malte
Frau Maria Spindlegger, eine begabte Malerin und Restauratorin aus Fügen,
den Hintergrund.
Verschiedene Figuren wurden von Herrn Pizzinini aus Hall wieder
instand gesetzt

Das Jahr 1938 bedeutete das Aus für das Knabenheim St. Josef im
Schloss von Fügen.
Es wurde von den Nationalsozialisten übernommen.
Die Krippe wanderte jedoch mit Pater Franz Josef Kramer in das Kapuzinerkloster
in Kitzbühel. Sie wurde in der dortigen Klosterkirche aufgestellt. Am 1. Oktober
1940 wurde das Kloster aufgehoben und Pater Franz Josef Kramer für hundert
Tage eingesperrt.
Wieder auf freiem Fuß gelang es ihm, die Krippe, deren Wert und Bedeutung
nicht bekannt war, wieder zurückzubekommen. Den Krippenberg hatte man in
Kitzbühel versteckt, und die Figuren nahm Pater Franz Josef sorgsam verpackt
mit in seinen Heimatort Heiterwang im Außerfern.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg – zu Weihnachten 1945 – wurde die
Krippe wieder in der Kapuzinerkirche in Kitzbühel aufgestellt. Als Pater
Franz Josef Kramer 1947 wieder das Knabenheim St. Josef im Fügener Schloss
übernahm, brachte er die Krippe wieder mit.
Seither wird sie jedes Jahr in der Hauskapelle aufgestellt. Unter der Leitung von
Kapuzinerpater Magnus Kerner erhielt das Kabenheim St. Josef seinen heutigen
Namen „Bubenburg”. Pater Franz Josef Kramer starb 1965 im Alter von
87 Jahren und liegt in Fügen begraben.

So wie sich die Krippe heute präsentiert, ist sie kein einheitliches Werk.
Man vermutet, dass die Gottvater-Gruppe, die Hl. Familie im Stall, einige
Hirten, die Beschneidungsszene, die Drei Könige auf der Reise in der Anbetung
mit Maria, und zwei Engel von einem der beiden Giner aus Thaur bei Innsbruck
stammen. Zahlreiche Engel und auch andere Figuren sind später hinzugekommen.
Heute umfasst die Krippe an die 350 Figuren, die auf dem 6,5 m langen und
zwei Meter breiten Krippenberg nach verschiedenen Szenen angeordnet sind.
Seit 1985 hat der Schnitzer Hannes Eberharter aus Kaltenbach so manches
Detail der Krippe restauriert und verbessert.
Er hat Gebäude und Mauern eingebaut und viele Figuren aus seiner geschickten
Schnitzerhand hinzugefügt.

Jedes Jahr zu Beginn der Adventzeit wird der heute fünfteilige Krippenberg
in der kunstvoll restaurierten Hauskapelle der Bubenburg aufgerichtet.
Seit dem Tod von Pater
Franz Josef Kramer betreut Schwester Maria Rosa
Heiß das Kunstwerk mit viel Sorgfalt und großem Einfühlungsvermögen.
In letzter Zeit wurde zur besseren Präsentation der Krippe eine
elektronische Beleuchtung eingebaut.
Herr Ernst Präg ist als sach- und fachkundiger Führer tätig.
Die Krippe, die für Jung und Alt immer wieder ein schönes Weihnachtserlebnis
darstellt, kann in der Kapelle in der Bubenburg in Fügen während der
Advent- und Weihnachtszeit besichtigt werden.

Peter Mader